Posaunenklänge der Extraklasse

Ensemble „Opus 4“ aus Leipzig musiziert in Kirche auf höchstem Niveau

Beedenbostel. Blechbläserensembles sind generell sehr beliebt. Zumeist angeführt von Trompetern mit strahlendem Klang, vermögen sie oft auch Menschen zu begeistern, die mit klassischer Musik eher fremdeln. Reine Posaunenensembles muss man allerdings suchen. Ein über Jahrzehnte erfolgreich spielendes Ensemble wie das Leipziger Posaunenquartett „Opus 4“, das dürfte sogar fast einzigartig sein.

Wenn ein solches Ensemble dann regelmäßig Gast eines Veranstalters ist, dann darf sich dieser glücklich schätzen. So wie die Kirchengemeinde Beedenbostel, wo die vier Herren aus Sachsen nun schon das sechste Mal spielten. Kurzfristig arrangiert wurde das, weshalb die breite Öffentlichkeit auch nur bedingt informiert war. Das war ein wenig schade, denn die recht große und so stimmungsvolle Kirche in Beedenbostel war dieses Mal nicht so voll wie sonst bei den Konzerten von „Opus 4“.

Konzert in Bedenbostel

Das Ensemble repräsentiert eine deutsche Klangtradition, die heutzutage außer bei den Staatskapellen Dresden und Berlin auf diesem Niveau nur noch vom Leipziger Gewandhausorchester gepflegt wird. Und das hört man sofort: Der Klang dieser Posaunen ist weicher und flexibler als der anderer Spitzenorchester. Diese Posaunen klingen auch beim leisen Spiel edel und rund, eher grundtönig als strahlend obertönig wie sonst meistens. Die Homogenität dieses Klangs ist einzigartig. Alleine schon dieser spezielle Sound ist so eindrucksvoll, dass er haften bleibt. Umso mehr als die barocke Variante davon genauso homogen ist.

Bei dieser Formation der Sonderklasse ist das instrumentale als auch das spieltechnische Niveau so hoch, dass man den eigenen Ohren kaum trauen mag. Auch wenn dieses Mal die nur zu einem Drittel besetzte Kirche mit ihrer wohl deshalb überhalligen Akustik ein kleiner Schwachpunkt war, weil manches klanglich schwamm, so faszinierten gerade die anfangs gespielten Stücke Alter Musik an diesem Abend in höchstem Maße. Sie blieben transparenter als die Klänge der modernen Posaunen. Und die gestalterischen Feinheiten kamen bei diesen Stücken besonders gut herüber.

Nach dem Programmteil mit den alten Posaunen folgte als unverzichtbarer Programmpunkt ein Stück aus der sächsischen Heimat des Ensembles, nämlich das wohl bekannteste Stück des Leipziger Thomaskantors Johann Sebastian Bach, die berühmte d-moll-Toccata samt Fuge, nun gespielt auf modernen Posaunen. Einmal davon abgesehen, dass es heute sehr umstritten ist, ob dieses Stück wirklich von Bach ist, so erwies sich die Wahl dieses Stückes ohnehin als etwas ungünstig, denn die große Wirkung, die dieses Stück auslösen kann, konnte man dieses Mal nicht erleben. Man wollte wohl nicht so recht auf Äußerliches in dieser Musik setzen und verbat sich weitgehend Glissandi, die aber letztlich nicht durch schnelle Einzeltonfolgen zu ersetzen waren. Bei dem nachfolgenden Stück, das typische Harmoniefolgen Anton Bruckners in einem dreisätzigen Werk Carl-Fredrich Becks reflektierte, konnte man dann als Hörer wieder zur Ruhe kommen.

Wer die Musik Bruckners kennt, der dürfte gemerkt haben, dass hier Beck nur den typischen Brucknersound langsamer Sätze reflektierte, den blockhaften Klang in den schnellen Sätzen und die in der Bewegung überwältigenden Abläufe der Bruckner-Scherzi vermisste man leider. Aber natürlich war die Spielweise des Ensembles einmal mehr über jeden Zweifel erhaben. Auch die bei den abschließenden jazzigen Stücken.

Drei Zugaben, darunter als letztes den Bach-Choral „Es ist genug“. Jedoch: Es ist nie genug mit solch großartiger Musik, wenn sie auf diesem Niveau gespielt wird.

Quellenangabe: Reinald Hanke, Cellesche Zeitung vom 30.08.2021, Seite 13

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